Was wir von der alten Oberlausitzer Textilindustrie lernen können

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Das Ende war schon eher besiegelt

Die Oberlausitz ist ein traditioneller Industriestandort. Nach der Wende blieben nur wenige Textil-Betriebe übrig. Doch das tatsächliche Ende war schon eher besiegelt: Nach dem Ende des Krieges 1945 mussten die Textilfabrikanten untertauchen, da sie durch die Herstellung von Heeresbekleidung ins Visier der sowjetischen „Entnazifizierungsmaßnahmen“ gerieten.

Die Betriebe wurden verstaatlicht und verrichteten nur noch ihre Pflicht. Innovationen wurden nur nach viel Druck von außen umgesetzt und Mensch und Maschine aufs unwirtschaftlichste ausgebeutet. Der eigentliche Unternehmergeist entstand woanders.

Das Duo Carl Adolf Roscher und C.G. Hoffmann in Neugersdorf

Eine einzigartige Zusammenarbeit ergab sich aus den beiden Firmen Carl Adolf Roscher und C.G. Hoffmann. Roscher war ein Webstuhlfabrikant, das, was man heutzutage Maschinenbauer nennen würde. Hoffmann war hingegen Textilfabrikant. Er kaufte Webstühle, stellte sie in Hallen auf und ließ Arbeiter darauf Stoffe fertigen.

Die beiden Firmen trennte nur einige hundert Meter. Dadurch ergab sich eine einzigartige Kooperation, bei der Erfahrungen aus der Produktion sofort in die Entwicklung besserer Webtechniken umgesetzt werden konnten.

Neugersdorf bekam erst Jahrzehnte später als beispielsweise Bautzen eine Eisenbahnanbindung (dem König sei dank). Dadurch entstanden extreme Transportkosten zum Hertransport der Wolle, sowie Abtransport der Stoffe mit Handkarren. Bischofswerda hält immer noch den Spitznamen „Schiebock“, da dies der Spruch war, mit dem man die Handkarren-Schieber angefeuert hat, den Butterberg zu überwinden. Doch trotz dieser Schwierigkeiten waren die Neugersdorfer Webbetriebe wirtschaftlicher als die privilegierten größeren Städte – aufgrund dieser einzigartigen Ingeneurskooperation.

Wie würde so etwas heute aussehen?

1850 war die Textilindustrie absolute High Tech. Es gab viel zu erforschen und zu optimieren. Heute ist die Textilindustrie weitestgehend erforscht und wird mit massenhaft herstestellten, optimierten Maschinen in Niedriglohnländern „abgearbeitet”. Damals war die Textilindustrie an der Schwelle von der Heimarbeit (jeder hat selbst gewebt) hin zu einer Professionalisierung und Industrialisierung.

In der heutigen Zeit ist eine andere Branche der Schlüssel zur High Tech: Die IT. Was man früher experimentell am PC ausprobiert hat, ist heute wesentlich professioneller und wirtschaftlicher in Form von IT-Dienstleistungs-Firmen verfügbar. Doch die IT kann nicht alleine leben. Sie ist wie der Webstuhlfabrikant, der Webereien benötigt. So benötigt auch die IT andere Branchen, die sie mit ihrer Technologie erst so wirtschaftlich macht.

Kooperations-Beispiel: IT + Dienstleistungssbetriebe

Betrachten wir beispielsweise ein Dienstleistungsunternehmen wie z.B. einen Pflegedienst. Diese müssen Dienstpläne erstellen, Ressourcen wie Fahrzeuge und Mitarbeiter einteilen, Kranktheitsfälle, Kündigungen und Neueinstellungen managen. Ohne eine IT-Unterstützung wäre eine Koordination reine Handarbeit und zeitintensiv. Zeit, die Büroangestellte verbringen, die keine Alten pflegen können. Ein unheimlicher Kostenfaktor.

Mit einer Datenbank hingegen, die die Planung unterstützt und in die individuelle Wünsche, sowie Betriebsvorgaben einfließen können, könnte ein solches Unternehmen zwei mögliche Wege gehen: Entweder es kann durch den geringen Verwaltungsaufwand mit einem kleinen Koordinationsteam sehr groß wachsen und deutschlandweit expandieren. Oder es kann klein bleiben und alle Mitarbeiter sind aktive Pfleger. Buchhaltung wird vom Steuerberater übernommen und die Koordination der Pflegenden von der Software. Allein mit dem wegfallenden Jahresgehalt des Verwaltungsangestellten ließe sich die Softwareentwicklung in einem einzigen Jahr refinanzieren.

Kooperations-Beispiel: IT + Industrie

Stellen Sie sich vor, eine Firma stellt Blechzuschnitte in verschiedenen Größen her. Viele Firmen schneiden ihr Blech selbst zu, doch durch das Anbieten von Zuschnitten von einem Anbieter kann dieser seinen Verschnitt optimieren und bessere Preise anbieten. Er bekommt seine Bestellungen in der Form, dass er Material, Blechdicke, sowie die Abmaße erfährt. Per E-Mail bekommt er nun Bestellungen, die er zuschneidet und versendet. Die bestellten Zuschnitte zeichnet er nun auf dem Blech ein und sägt es. Dabei muss er wie bei einem Puzzle die optimalsten Zuschnitts-Kanten finden. Diese Problem ist selbst für Computer gar nicht so einfach.

Doch der Computer könnte trotzdem die vielen Varianten der Anordnung der Blechstücke schneller anordnen. Indem der PC mehrere tausende Varianten pro Sekunde durchprobieren könnte, ließe sich ein optimalerer Schnitt finden, der weniger Material verbraucht.

Trägt er alle Bestellungen mit Material, Dicke und Abmaßen des Zuschnitts ein, könnte der Computer mit den sich aufstauenden Bestellungen einen guten Verschnitt berechnen. Als Optimierung dazu könnte sich der Blechzuschneider sich noch mit seinen Kunden darauf einigen, dass diese ihre Bestellungen selbst in sein System eintragen. Das hat zusätzliche Vorteile: Zum einen erspart er sich das Lesen von Bestell-E-Mails und hat seine Bestellungen sofort im System, das schon die Anordnung der Schnittkanten berechnet. Zum anderen könnten seine Kunden sein Bestellsystem an ihr ERP andocken, sodass Bestellungen bei niedrigem Lagerbestand automatisch ausgelöst werden.

Zusätzlich könnte das neue System direkt an eine CNC-Laserschneidmaschine angebunden werden, wodurch die vom PC berechneten Schnitte direkt ausgeführt werden. Wären noch Material-Fütterungs-Roboter, sowie Pick-and-Place-Maschinen für die Materialentnahme involviert, hätte er eine vollautomatische Fabrik.

Fazit

Wir bei Launix führen zwar nicht die Oberlausitzer Textil-Tradition fort, doch Unternehmertum und die Liebe zu High Tech sind geblieben.

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